Oder auch: How it all began.
Es war Ende Februar, ich war vor 2 Tagen eine mäßige Strecke (ca. 8 km) gejoggt. Kein krasses Gelände, nur ebenerdige Parkanlagen. Der linke Fuß schmerzte, vor allem nachts und in Ruhe.
Solche merkwürdigen Schmerzen hatte ich noch nie zuvor gehabt. Ich wusste, wie es ist, sich die Bänder gezerrt zu haben oder wie sich der Fuß anfühlt, wenn man gestolpert war. Auch Prellungen kannte ich zuhauf.
Äußerlich sah man nicht viel. Eine fast unsichbare Schwellung, das war alles.
Die Schmerzen schienen hinter dem Knöchel zu sitzen und strahlten von dort aus über den Fußrücken und hoch bis ins Schienbein. Sehr irritierend fand ich die Art des Schmerzes: ein brennendes Stechen, fast elektrisch. Es erinnerte mich an eine Knochenhautentzündung oder Sehnenscheidenentzündung.Vielleicht hatte ich eine Infektion?
Mein Orthopäde schüttelte zu meinen Theorien den Kopf. Er tippte auf einen Ermüdungsbruch. So etwas käme bei ambitionierten Freizeitjoggern schon mal vor, meinte er.
Das Röntgenbild strafte ihn jedoch Lügen. "Da ist kein Bruch", sagte ich sofort, denn ich wusste, wie diese Linien auf dem Röntgenbild aussehen. Ich hatte mir nämlich als Teenager schon einmal die kleine Zeh und auch die Mittelhand gebrochen.
Der Orthopäde zoomte die Aufnahme noch ein bisschen, wackelte mit dem Kopf und gab mir schließlich Recht.
"Dann ist es auf jeden Fall schon mal nichts Schlimmes", beruhigte er mich. "Gehen Sie nachhause, eine Woche mal nicht Joggen, würde ich sagen, kühlen, hochlegen,
schonen. Wenn Sie Schmerzen haben, nehmen Sie eine Ibuprofen."
Wie sehr er sich irren sollte, war mir in diesem Moment nicht klar. Ich aber vertraute meinem Orthopäden, ging nachhause und tat wie mir geheißen.
Nichts besserte sich, im Gegenteil. Nachts tat ich kein Auge mehr zu. Da mein Orthopäde zwischenzeitlich im Urlaub war, suchte ich meine Hausärztin auf.
"Hat man mal an einen Bänderriss gedacht?" fragte sie. "Denn da auf dem Fußrücken, wo Sie sagen, dass es wehtut, läuft ein Band lang."
Ich zuckte die Schultern. Mir war alles egal, hauptsache, es tat endlich mal wer was gegen die merkwürdigen Schmerzen, die immer schlimmer wurden.
Meine Hausärztin schrieb mir eine Überweisung für die Radiologie. Ein CT sollte gemacht werden, auch um einen Bruch endgültig auszuschließen.
Der Radiologe schüttelte den Kopf, als ich mit dem Verdacht auf Bänderriss zum CT kam. Man sähe Bänder nicht auf einem CT, sagte er. Aber man könne damit auch einen sehr feinen Bruch erkennen, das stimme natürlich.
Das CT ging superfix. Anschließend musste ich leider eine Woche lang auf die Diagnose warten. Irgendwann rief mich meine Hausärztin an und meinte, super, Glück gehabt, kein Bruch. Alles Weitere solle der Orthopäde machen.
Ich war nicht besonders zufrieden. Ich wollte schließlich nicht wissen, was es nicht war, sondern endlich eine Diagnose. Immerhin humpelte ich bereits seit 3 Wochen durch die Gegend und konnte kaum schlafen vor Schmerzen.
Weil ich gern an die Diagnose Bänderriss glauben wollte, da sie mir hübsch harmlos und noch halbwegs plausibel erschien, kaufte ich mir einige Bandagen auf eigene Rechnung und humpelte damit wieder zum Orthopäden.
Der Orthopäde war zwischenzeitlich genervt von mir und empfing mich unwirsch und kurz angebunden. Offenbar wollte er sich auch nicht von einer Hausärztin hineinreden lassen. Er wollte nicht einmal nachsehen, ob es sich um einen Bänderriss handelte. Der, sagte er, wäre in all den Wochen nämlich eh schon wieder halb verheilt. Ich soll mich halt bitteschön gedulden.
Frustriert ging ich wieder nachhause und fühlte mich dumm und hysterisch. Die Sorge war nicht kleiner geworden, also suchte ich im Internet nach einem neuen Orthopäden.
Drei Wochen musste ich auf den Termin warten, aber der Orthopäde Nr. 2 war angeblich Fußspezialist, also nahm ich die erneute Geduldsprobe in Kauf.
Als ich in der Praxis aufschlug, war ich angenehm überrascht. Statt der üblichen 1,5 Minuten nahm sich der Arzt ganze 20 Minuten Zeit und hörte mir zu. Er machte sofort ein Ultraschall, um sich meine Bänder anzusehen.
"Die Bänder scheinen mir intakt", meinte er. "Aber ich ich würde mal ein MRT machen lassen." Er stellte mir eine Überweisung aus und schickte mich, nicht ohne mir eine richtige Orthese zu verpassen, erstmal wieder nachhause.
Zuhause las ich den Überweisungsschein. Verdacht auf Bänderruptur, stand da, und daneben: Peronealsehne?
Was eine Peronealsehne ist, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich fragte also Dr. Google und wurde fündig: Es gibt die kurze und die lange Peronealsehne. Die Sehnen bilden - sehr einfach ausgedrückt - eine wichtige Verbindung zwischen Wade und Fuß.
Meine Neugier war geweckt, denn anatomisch gesehen verliefen die Peronealsehnen dort, wo sich auch mein Schmerz befand. Also las ich weiter und erfuhr, dass sich so eine Peronealsehne auch mal entzünden kann. Gefährdet seien vor allem Menschen mit einer Fußfehlstellung (Knick-Senk-Fuß).
War es möglich, dass ich eine Peronealsehnenentzündung hatte? Was die Qualität des Schmerzes - stechend, bohrend, brennend - betraf, erschien mir das sogar sehr wahrscheinlich. Abgesehen davon hatte ich eben den besagten Knick-Senk-Fuß.
Ich war also der Wahrheit auf der Spur und gespannt, was das MRT zeigen würde...

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